No niin.
Mittwoch, 12. August 2020

Zettelkasten als Trend - Latente Kommensurabilität

Der Zettelkasten als Medientechnik hat in diesem Jahr an Traktion gewonnen:

Wahrscheinlich gibt es noch mehr. Und das ist auch nur die Artikulation als Software.

Warum kommt es gerade jetzt zu dieser Ballung? War es eine Frage der Zeit - bei angenommener zunehmender Sofistizierung der Entiwcklertools? Es passiert, weil es jetzt passieren kann?

Interessant ist im übrigen auch, wie wenig man sich am Ende für die systemtheoretische Umwelt der Entstehung des Luhmann'schen Zettelkastens interessiert. Beispielhaft:

Who cares what Luhmann meant by his Zettelkasten "communicates" to him?
I don't want to be Luhmann, I don't want to understand his thinking. I want what Luhmann had. I just want to connect in my own way with my own Zettelkasten.(Quelle)

Was sagt uns das? Zunächst einmal, dass es möglich ist Zettelkästen ohne Systemtheorie zu betreiben. Man kann ja auch Bücher schreiben, die keine Bibel sind - oder was immer man auch als "erstes Buch" setzen will.

Gleichzeitig aber auch ein interessantes Problem: Der Zettelkasten enthält latent die Systemtheorie, sonst hätte er sie nicht kommunizieren können. Der Zettelkasten muss aber nicht auf sie hinauslaufen. Ich habe erfolgreich (im Sinne von: interessant) über die ANT mit meinem Zettelkasten geschrieben. Legt der Zettelkasten dadurch eine Kommensurabilität der ANT in die Systemtheorie und umgekehrt nahe?

Und weiter: Wenn es funktional(?) äquivalente Artikulationen des Zettelkastens gibt: Handelt es sich bei der Systemtheorie trotz ihrer erschöpfenden Reichweite um eine günstige - gar die günstigste und dabei gleichzeitig noch genug Komplexität einschließende - Vereinfachung dieser Medientechnik?

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